Wutbürger und Fluglärm-Betroffene können aufatmen

Der ganze Ärger um Schallschutzmaßnahmen hat nun ein Ende. Kein Betroffener muss sich mehr darüber ärgern, dass sein Wohnzimmer wegen zu geringer Bauhöhe als nicht schützenswert eingestuft, sein 1920 erbautes Haus wegen im Krieg verbrannter Genehmigungsunterlagen als Schwarzbau deklariert, sein Wintergarten nicht als Wohnraum akzeptiert wird oder sein ihm vor fünf Jahren gewährter Schallschutz von 30.000 EUR nun auf 7.000 EUR verbessert wurde.

Wer sich als betroffener Anwohner Hoffnungen auf ein kleines Krümelchen vom BER-FBB-730 Millionen-Schallschutzkuchen gemacht hat, kann diese nun endgültig aufgeben. Die FBB hat von nun an, als hätte sie es in den letzten 9 Jahre schon geahnt, die Möglichkeit, die in der Vergangenheit den Betroffenen verweigerten und bei der EU mehrfach für Schallschutz beantragten Gelder endlich offiziell für Schuldentilgung, Sanierung der neu errichteten Bauruine oder Abfindungen teurer Weggenossen einzusetzen.

Was ist geschehen?
In einem kleinen Artikel der Regionalausgabe der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 03.12.2015 hat ein hochtalentierter Investigativjournalist eine sensationelle Entdeckung kundgetan, die die medizinische Fachwelt in Erstaunen und die Luftfahrtindustrie in frohlockende Ekstase versetzt sowie betroffene Anwohner aufatmen lässt.

Man braucht keinen Schallschutz, keine Dämmung, keine Lüftung, keine schallschutzschluckenden Fenster und auch keine Entschädigungen für die nicht mehr gegebene Nutzungsmöglichkeit der Gärten. Nein! Nie und nimmer! Das haben zwei pfiffige Damen - eine Entspannungstrainerin aus Mahlow und die Schallschutzberaterin des Landkreises Teltow-Fläming - nun endlich herausgefunden.

Sie stützen ihre bahnbrechende Entdeckung auf die vom Land Hessen und der Fraport in Auftrag gegebene Studie "NORAH" und sagen: "Der Flughafen fängt im Kopf an."

Gegen das Argument ist kein Kraut gewachsen. Jeder kann heutzutage bestaunen, was in den Köpfen von Diepgen, Stolpe, Wowereit, Platzeck, Woidke, Herberg, Johannsen-Roth, Schwarz, Mehdorn und Mühlenfeld so vorgegangen ist in Schönefeld - praktisch in Beton gegossen - und was uns alle das gekostet hat und kostet.

Aber zurück zum Thema: Schallschutzberaterin Brettschneider und Entspannungstrainerin Schwuchow haben herausgefunden, dass es Fluglärm gewissermaßen nicht gibt! Alles nur Einbildung, alles findet nur im Kopf statt.

Sobald man sich vom Fluglärm belästigt fühlt, einfach fallen lassen, langsam ausatmen und vor sich her sprechen: "Om. Fluglärm fängt im Kopf an. Om.” Das wars. Wenn man das oft genug macht, merkt man nichts mehr und zwar so lange, bis man selber nicht mehr ist.

Wem damit noch nicht vollumfänglich geholfen ist (Skeptiker gibts ja immer): Einfach mal fliegen. Auch das haben die Koryphäen entdeckt, wer fliegt, findet Fluglärm weniger störend, bemerkt ihn quasi nicht. Diese These überzeugt nicht völlig, denn irgendwann muss jedes Flugzeug ja auch mal landen. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Den Erwachsenen wird man nun zurufen: Denkt positiv! Wen stört es, dass eure Gesundheit und Lebensqualität Wirtschaftsinteressen geopfert wird? Eure fürsorgenden Volksvertreter jedenfalls nicht.
Bei Kindern wird das nicht so einfach gehen. Die werden extra Hilfe, Unterstützung und Training benötigen, um die neue Methode zu erlernen. Für so was gibt es ja das segensreiche "Dialogforum". Das wird sich bestimmt in diese Richtung engagieren und entsprechende Kurse anbieten. Heißt es doch in der aktuellen Pressemitteilung des Vorsitzenden des Dialogforums Pfarrer Wolfram Hülsemann vom 23.11.15:

"Das Dialogforum sucht nach geeigneten Konzepten für ein verbessertes Wahrnehmen der Flughafenregion."

Aha, das war also damit gemeint! Jetzt erst können die Anwohner begreifen, was man im Dialogforum unter "angemessener Bewältigung der großen Belastungen für die Umlandgemeinden und deren Bevölkerung" versteht. Bravo!

Nörgler werden weiter fragen, was mit den Kindern geschieht, die noch nicht das nötige Verständnis für diese phantastische Schallschutzmethode aufbringen, was mit den Babys und Kleinkindern passiert, die noch nicht auf Training und Argumente ansprechen.

Der Gutachter der FBB Professor Jansen hat dies jedoch längst geklärt. In der Verhandlung zum Planfeststellungsbeschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Jahre 2006 stellte er fest, dass ca. 15 % aller Kinder und Jugendlichen durch den Fluglärm dauerhafte gesundheitliche Schäden davontragen werden. Aber 85 % bleiben doch wahrscheinlich gesund! Da muss man doch nun wirklich nicht so pingelig sein und kann das doch auch mal so sehen.

Schallschutzberaterin Brettschneider jedenfalls wird demnächst auch fliegen (müssen). Dies gänzlich ohne Fluggerät und Fluglärm. Die Funktion der Schallschutzberaterin des Landkreises Teltow-Fläming wird ja nun überflüssig werden, sobald die Anwohner die neue bahnbrechende Methode brav anwenden werden.