Wenn man mit einem Problem so lange Zeit auf niedrigstem Niveau stagniert wie die Flughafengesellschaft (FBB) bei der handwerklichen Umsetzung ihres Schallschutzprogrammes, macht es sehr viel Sinn, sowohl das System umzustellen als auch die Pferde auszuwechseln in solche, die den Karren aus dem Dreck zu ziehen geeignet sind. Das hat die FBB jüngst versucht. 
Was dem Flughafen da jetzt allerdings zur Abhilfe eingefallen ist, entlockt den sachkundigen Bürgerinitiativen als Fazit nur: "Schlimmer geht`s beim BER  immer!"

Das Verfahren, wie die Bürger zu ihrem Schallschutz kommen, war ja noch nie einfach. Der Schallschutz-Abteilung des Flughafens sind, je länger die Inbetriebnahme des BER in Verzug geriet, immer mehr Versagungsgründe der Ansprüche und immer mehr Hemmnisse bei der Umsetzung des Schallschutzes eingefallen, besonders für die etwa 14.000 Häuser im Tagschutzgebiet mit sehr hohem Schutzbedarf.

Bislang wurden bei der Versendung der früheren Kostenerstattungen den Anspruchsberechtigten eine Fachfirma für die Ausführung der Handwerksarbeiten aus dem so genannten Unternehmens-Pool des Flughafens vorgeschlagen. Mit einer Reihe bestimmter Firmen hatte die FBB im Vorfeld in Verhandlungen abgestimmt, mit welchen Arbeitsweisen und welchen Produkten mit entsprechenden Prüfzeugnissen für ihre Tauglichkeit als Schallschutz-Material diese Pool-Firmen zu arbeiten haben. Selbstverständlich hatte der Flughafen mit diesen Firmen Mengen-Rabatte ausgehandelt und so die Preise gedrückt. Die rabattierten, erniedrigten Preise kamen dann in das Leistungsverzeichnis für die Kostenerstattung.
Wenn man zudem noch die Ansprüche an Bezahlung dieser Pool-Firmen an den Flughafen abtrat, entfiel auch die Notwendigkeit einer Vorauszahlung auf die anstehenden Arbeiten. Und man musste mit der Bezahlung der Schlussrechnung an die Baufirma auch nicht in Vorleistung gehen.

Natürlich hatte der Hauseigentümer in den Schutzgebieten das Recht, auch eine andere als eine Pool-Firma nach seinem Gusto zu beauftragen.
Diese allerdings fanden die heruntergehandelten Mengenrabatt-Preise für sich selten auskömmlich. Nur der Schallschutzberechtigte, der bereit und in der Lage war, ggf. selbst draufzuzahlen, hatte die freie Firmenauswahl. Darüber hinaus musste jemand, der sich außerhalb des Pools nach einem Handwerker umsah, auch noch extra teure Prüfzeugnisse beibringen, mit denen er der FBB nachweisen musste, dass die verwendeten Materialien auch die erforderliche Schalldämmung exakt bewirkten. Solche Prüfzeugnisse sind mitunter teurer als das Produkt selbst. Weiterhin musste er hohe Anzahlungen aus der eigenen Tasche an die Firmen leisten, damit diese überhaupt die Arbeiten aufnahmen. Wer also nicht 15.000 EUR einfach einmal so in seinem Sparstrumpf hatte, brauchte über eine andere als eine Pool-Firma gar nicht erst nachzudenken.

Am Ende waren 15 Firmen im Pool, bei denen sich aufgrund dieser Konditionen die Eigentümer von etwa 25.000 zu schützenden Objekten schon alleine für das Aufmaß in eine lange Warteschlange einreihen mussten. Nur so war ein Hauseigentümer letztlich auf der sicheren Seite, dass der Flughafen ihm am Ende die Kosten für den Schallschutz auch wirklich erstattet.

Einem einzigen Satz aus dem Begleitbrief zum letzten monatlichen Schallschutzbericht sowie einer stark simplifizierenden Veröffentlichung in der Flughafen-Postille "BER aktuell" konnten die Anspruchsberechtigen nun entnehmen, dass der Flughafen sein System offenbar über Nacht umgestellt und diesen Firmen-Pool aufgelöst hat. Im Kommunalen Dialogforum wurden die Politiker aus der Flughafenregion und die beiden Bürger-Vertreterinnen darüber weder informiert, noch bekam dieser Personenkreis die Gelegenheit, wichtige und entscheidende Fragen zu stellen.

Wer jetzt vom Flughafen eine so genannte "Anspruchsermittlung Bau" (ASE-B) zugesandt bekommt, muss sich mutterseelenallein eine Firma suchen.

Etwas Hilfestellung soll dabei jetzt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus durch ihre Auftragsberatungsstelle geben, die eine Liste veröffentlicht mit Firmen, die sich für die Schallschutzmaßnahmen anbieten.

Auf dieser Liste standen heute acht Firmen. Nicht mehr dabei die beiden Firmen, die sich durch gute Arbeiten im BER-Umland einen gewissen Ruf erarbeitet hatten! Wieder dabei und als einzige Firma bereits bekannter: Das schwarze Schaf, das selbst dem Flughafen schon durch Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung aufgefallen war.
Völlig unklar ist, ob diese Firmen auch zu den in den Leistungsverzeichnissen stehenden rabattierten Pool-Preisen arbeiten, ob sie Anzahlungen verlangen, ob sie mit der Abtretung ihrer Forderungen aus ihrer erbrachten Leistung an den Flughafen einverstanden sind. Ob es sich dabei um beständige und solide Handwerksbetriebe handelt? Ob diese Firmen Produkte mit anerkannten Prüfzeugnissen verwenden, die von den Betroffenen nicht extra bezahlt werden müssen? Was im Falle einer Insolvenz einer dieser Firmen hinsichtlich Abschluss der Arbeiten oder in Garantiefällen geschieht?
Bislang war es so, dass die Eigentümer dann eine andere Pool-Firma zur Vollendung der Arbeiten nehmen konnten.


Qualifiziert werden die Firmen im Übrigen durch eine Veranstaltung der IHK-Cottbus. Die Ankündigung dafür auf der IHK-Website lässt den Eindruck entstehen, dass es sich dabei um eine Instruktion mit dem Zeitaufwand eines Wochenend-Seminars handeln dürfte.

Der Flughafen hat sich also handstreichartig und bei Nacht und Nebel aus jeglicher Fürsorgepflicht gegenüber den Schallschutzberechtigten verabschiedet und sie mit ihren sehr speziellen und komplexen baulichen Problemen ohne große weitere Hilfestellung in ein Haifisch-Becken auf den freien Markt geworfen, der es jetzt richten soll.

Die Zahl der den Schallschutz tatsächlich realisierenden Firmen hat sich zudem mehr als halbiert.

Wer als Anwohner auf der Suche nach einer umsetzungsbereiten Baufirma nun die Serviceleistung der Auftragsberatungsstelle nutzen will  und beherzt gleich die erste gelistete Firma auswählt, die verspricht, die Leistungsbereiche des Loses 2 - Fenster/Haustüren und die Gewerke Trockenbauarbeiten und Tapezierarbeiten auszuführen, der erfährt auf deren Homepage, dass es sich um eine Gesellschaft für Unternehmensberatung mbH handelt.
Wenn man liest, dass deren Tätigkeitsschwerpunkt in der Analyse, Entwicklung, Einführung und Betreuung komplexer Softwareprodukte liegt, kommen beim gutwilligsten Bürger Zweifel auf, ob diese Firma ihm tatsächlich Schallschutzfenster einbauen kann und sollte.
Wenn man allerdings liest: "Zu unseren wichtigsten Software-Produkten gehören Kosten- und Zeitmanagement für große Sanierungsprojekte", dann ist klar, dass da offenbar einfach nur eine Verwechselung vorzuliegen scheint: Die Auftragsberatungsstelle will mit dem Hinweis auf das Können dieser Firma nicht die Bürger beraten, sondern die Flughafengesellschaft selbst.

Das ist ein netter Zug, denn das ist für den BER auch bitter nötig.

Für die Bürger bleibt: Ganze sieben Zwerge-Firmen sollen also jetzt das umfangreiche Schallschutzprogramm stemmen und bis zur Eröffnung des BER vollenden.