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Am 14. Juni 2014 hat Prof. Dr. Thießen im Auftrag der Grünen ein Gutachten veröffentlicht, welches im Wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen kommt, wie die Studie von Herrn von Aswegen:

 „der BER ist nicht wirtschaftlich zu betreiben“.

Mehdorn, der Erfinder des sogenannten „Sprint“-Programms, war nun also unter Zugzwang und so sollte seine Finanzchefin den Landtagsabgeordneten irgendwie beibringen, dass der BER sehr wohl Gewinne erwirtschaftet – nur wie soll man diese Quadratur des Kreises darstellen?

Man greift zum simpelsten Mittel aller Bauernfängereien: man vergleicht einfach Äpfel mit Birnen und schon kommt man zum Wunschergebnis.

Frau Fölster schwadronierte also von einem „Mehr an Einnahmen als Ausgaben“. Dass diese Aussage ebenso unwahr wie spekulativ ist, zeigt ein Blick in den  Geschäftsbericht der FBB für das Jahr 2012. Hier zeigt  sich ein diametral entgegengesetztes  Bild: Die Umsatzerlöse entsprechen ca. 70% der laufenden Ausgaben und dies ohne Zinsaufwendungen!

Beim Cash Flow (Kapitalflussrechnung) werden sämtliche Investitionen (laut Mehdorn ja ca. 5,4 Mrd. Euro) nicht berücksichtigt, sofern es sich dabei um sogenanntes Anlagevermögen (z.B. Hauptterminal, Nord- und Südpier, Vorfeldflächen, Südbahn etc.) handelt. Gemäß Geschäftsbericht der FBB sind das per 31.12.2012 bereits 3,1 Mrd. Euro!

Geht man von der längsten anzunehmenden Nutzungsdauer eines Flughafens von 50 Jahren aus (Abschreibung im Jahr also 2%) sind das jährlich mindestens 62 Millionen Euro, die in der Rechnung von Mehdorn und Fölster mal eben fehlen.  Macht man sich die Mühe, weiter ins Detail zu gehen, werden laut FBB allerdings Abschreibungsdauern von  4 bis 50 Jahren je nach Anlageart angesetzt, was letztendlich zu deutlich höheren jährlichen Abschreibungen führt.  Gemäß Geschäftsbericht der FBB waren es in 2012 allein 85,7 Mio. Euro.

 Nicht vergessen darf man auch die Anlagegüter,  die in Tegel und Schönefeld-Alt vorhanden sind, diese werden entweder zum „BER“ überführt oder mit dessen Eröffnung als Anlagenabgang aus der Konzernbilanz der FBB ergebniswirksam entnommen, was aller Voraussicht nach ebenfalls zu Ausgaben führt,  sofern diese nicht mit Gewinn veräußert werden können.

Da die Zahlen für 2013 noch nicht veröffentlicht wurden und  man annehmen darf, dass  noch „mehr oder weniger“ weiter gebaut wird, dürfte die Bemessungsgrundlage für die Abschreibungen inzwischen locker die 4 Mrd. überschritten haben.

Das immer wieder propagierte Volumen von 5,4 Mrd. Euro betrifft ja nicht ausschließlich Anlagevermögen, so dass man derzeit lediglich Schätzungen anstellen kann. In den Abschreibungen des Jahres 2012 sind KEINE Bauten für den BER berücksichtigt, die auf ihre Fertigstellung warten (ausgewiesen als „Geleistete Anzahlungen“ und „Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau“), da der Werteverzehr gemäß HGB erst mit Fertigstellung und z.B. behördlicher Abnahme beginnt. Somit ist die jährliche Abschreibung ab Eröffnung des BER deutlich höher als derzeit.

Wenn man sich also die seltsame Betrachtungsweise  des Ganzen von Mehdorn und Fölster zu Eigen machte, ergibt sich folgendes Bild (Stand Geschäftsbericht 2012)

Einnahmen:                       ca. 270 Mio. Euro/Jahr (ausschließlich Aviation und Non-Aviation)

Ausgaben:                         ca. 382 Mio. Euro/Jahr (Personalkosten, Materialaufwand, sonstige

                                               betriebliche Aufwendungen und Abschreibung)

Fehlbetrag:        ca. 112 Mio. Euro/Jahr

Bereinigt um Abschreibungen in Höhe von ca. 86 Mio. Euro/Jahr ergibt sich „nur noch“ ein Fehlbetrag in Höhe von ca. 26 Mio. Euro/Jahr. Bei dieser Betrachtungsweise sind allerdings alle Sondereffekte und vor allem auch die Zinsaufwendungen (in 2012 immerhin ca. 106 Mio. Euro/Jahr) NICHT berücksichtigt.  

Wie Frau Fölster aus 26 Mio. Euro Fehlbetrag aber einen 3-stelligen Überschuss erwirtschaften erklärt sie vorsichtshalber nicht.

Versuchen wir es also selbst:

Angenommen, die laufenden Ausgaben blieben gleich (was für sich genommen recht unwahrscheinlich ist), dann müssten sich die Einnahmen um mindestens 126 Mio. Euro erhöhen, was einer Umsatzsteigerung von ca. 50% entspräche!

Wenn dann Zinsen und Abschreibungen wieder hinzugerechnet werden, sind wir wieder bei einem dicken Minus.

Das aber will Frau Fölster laut Ihrer Aussage „einige Jahre später“ aber auch in Gewinn umwandeln.

Damit müsste sich der Umsatz aber weiter erhöhen!

Um eine „schwarze Null“ zu erreichen, wären das mindestens weitere 92 Mio. Euro/Jahr, was in etwa einer Verdoppelung der heutigen Umsätze entsprechen würde. Damit wäre aber noch keine einzige Tilgungsleistung abgedeckt und die Aussage „Dann könnten auch Kredite zurückgezahlt werden“ wird ad absurdum geführt. Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt, dass per 31.12.2012 bereits langfristige Kreditverbindlichkeiten in Höhe von ca. 2,1 Mrd. Euro (Laufzeit über 5 Jahre) bestehen.  Nehmen wir mal eine Tilgung von 1% an, dann sind allein das bereits 21 Mio. Euro im Jahr, die die FBB erwirtschaften muss.

Und nun ein einfacher Dreisatz zu den angestrebten Umsatzerlösen:

Mit 25,3 Mio. Passagieren (+5%)  erwirtschaftete die FBB in 2012 ca. 270 Mio. Euro (+3%). Der BER soll „luftseitig“ ca. 45 Mio. Passagiere vertragen.  Daraus ergäben sich Umsatzerlöse von ca. 480 Mio. Euro. Unter der Annahme, dass die Kosten gleich bleiben, ergibt sich ein theoretischer Fehlbetrag (unter Berücksichtigung der AKTUELLEN Zinsaufwendungen) von ca. 8 Mio. Euro.

Tilgungsleistungen sind da wohl eher nicht zu verdienen.

Und die volksvertretenden Abgeordneten hören sich das an, nicken weise und haben keine Nachfragen.