Mehdorns Plan erst ab April, dann ab Juli diesen Jahres mit bis zu sechs Flügen der Gesellschaft Germania am Nordpier einen Probebetrieb aufzunehmen, um vorgeblich damit einen Großteil der Systeme und Abläufe im Terminal zu testen, hat er nun abgesagt. 

Seine abenteuerliche wie dreiste Begründung unterstellt dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern mangelnde Unterstützung, soll aber tatsächlich von seinem wirren Aktionismus ablenken und seine Muskeln spielen lassen.
Seine Behauptung entlarvt sich schnell als vorgeschoben und unwahr, wenn man den Inhalt eines Schreibens, das dem BVBB vorliegt, der Oberen Luftfahrtbehörde, des LBV (Landesamt für Bauen und Verkehr) vom 05.02.2014 an den Geschäftsführer Mehdorn kennt.

In diesem Schreiben heißt es:
"Gegenüber der ursprünglich erteilten Baugenehmigung sind Änderungen erforderlich, die von Ihnen beantragt sind und vom zuständigen Bauordnungsamt gegenwärtig bearbeitet werden. Aus Sicht der Luftfahrtbehörde ändert sich mit der zu erwartenden Baugenehmigung zeitweilig die Nutzung gegenüber der endgültigen Planung BER dergestalt, dass die gesamten für die Fluggastabfertigung erforderlichen Prozesse, einschließlich der Kontrollen der Fluggäste, des Hand- und aufgegebenen Gepäcks zusätzlich in diesem Gebäude eingerichtet werden sollen. Daraus folgt, dass die Abläufe abweichend vom bisherigen Abfertigungskonzept in die übrigen betrieblichen Prozesse sowie in das System der Luftsicherheitsmaßnahmen am Flughafen einzuordnen bzw. mit diesen zu koordinieren sind. Es handelt sich dabei um Maßnahmen und Prozesse, die auf Grund von erforderlichen Vorlaufzeiten bei der Einrichtung durch die FBB GmbH sowie Prüfung und Zulassung durch die LuBB, dringend zeitlich und inhaltlich koordiniert werden müssen, sofern der o.g. Termin noch gehalten werden soll."

Es liegt auf der Hand, dass sich Mehdorn offenbar mal wieder ehrgeizig verzettelt hat und die Probleme nicht im erforderlichen Zeitraum zu lösen sind. Zudem hat er verpeilt, dass sein Testbetriebsvorhaben nicht nur von der Untereren Bauaufsicht zu genehmigen ist, sondern wegen der damit verbundenen Umnutzungen auch der Oberen Luftfahrtbehörde zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden muss, die sich nun gemeldet hatte.

Mehdorns Attacke auf den Aufsichtsrat hat offenbar noch ein anderes rein prophylaktisches Motiv. Es ist höchst wahrscheinlich, dass er in den nächsten Wochen auch von seinem erst jüngst verkündeten Plan der Nordbahnsanierung ab 01.Juli und damit zwangsläufigen Südbahnnutzung, auch ohne realisierten Schallschutz, Abstand nehmen muss.

Es steht zu vermuten, dass die Obere Luftfahrtbehörde einem solchen Schritt vor den Wahlen in Brandenburg im September nicht zustimmen wird. Erstmals würden dann nämlich 4.300 Bürger, die bislang vom Fluglärm verschont waren, wach gerüttelt und erfahren, was auf sie nach BER-Eröffnung zukommen wird.
Wie auf das Brandenburger Wahlvolk die brutale Rücksichtslosigkeit eines Flugbetriebs ohne realisierten passiven Schallschutz und eines Verstoßes gegen den Planfeststellungsbeschluss wirken wird, kann man sich sogar heute schon in Potsdam ausmalen.

Ein heißer Sommer ist ohnehin garantiert!

Dass Mehdorn die Schuld am eigenen Versagen dem Aufsichtsrat zu schiebt, offenbart, wie sehr die Situation aus dem Ruder läuft. Aber was hat Mehdorn schon noch zu verlieren? Er kann es sich leisten, hoch zu pokern.
Wahrscheinlich würde Mehdorn nur allzu gern auch noch den Aufsichtsrat und die Gesellschafter feuern.

Vertrauensvolle und erfolgsorientierte Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und FBB-Geschäftsführung sieht anders aus!


RBB-Inforadio vom 21.02.2014, ein Beitrag von Thomas Rautenberg

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