Leserbrief zum Artikel "Der Flughafenstreit ist noch nicht zu Ende"
von Peter Neumann
in der Berliner Zeitung vom 29.3.2011, Seite 4
Sehr geehrter Herr Neumann,
wie auch immer die zukünftigen Abflugrouten vom BBI aussehen werden, eins haben Planer, Planfeststellungsbehörde und Deutsche Flugsicherung jedenfalls erfolgreich geschafft: Die zwingende Notwendigkeit, wegen des geplanten und inzwischen bereits genehmigten unabhängigen Flugbetriebs am BBI alle Abflugrouten gemäß ICAO-Regeln divergieren zu lassen, hat das Projekt bis zum September 2010 nicht wesentlich beeinflusst. Denn noch vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens haben sich diese Beteiligten darauf verständigt, die divergierenden Abflugrouten in der vorläufigen Routenplanung auf keinen Fall zu berücksichtigen oder gar zu veröffentlichen. Das hatte unter anderem zur Folge, dass alle Berechnungen und ortsbezogenen Aussagen zu den Lärmauswirkungen des Projektes fehlerhaft sind. Die Lärm-Immissionsgebiete sind nämlich zu klein dargestellt worden, was den Widerstand gegen das Projekt zweifellos reduzierte. Warum das so gemacht wurde, ist leicht zu erraten. Ein Sturm der Entrüstung, insbesondere auch aus dem südlichen und südwestlichen Berliner Stadtgebiet, hätte schon damals die Akzeptanz des Projektes ernsthaft gefährdet. Diese Akzeptanz war bei der Wahl des Standortes ein wesentlicher Aspekt. Genauer gesagt, war damit sicher die Akzeptanz des Standortes durch diejenigen Berliner gemeint, die vierzig Jahre lang gewöhnt waren, Fluglärm in jeder Form hinzunehmen, wenn nur das Terminal nicht zu weit von der Haustür entfernt war. Was Herr Diepgen 1996 noch für sinnvoll hielt, wird jetzt von immer mehr Bürgern und Betroffenen als nicht sinnvoll erkannt. Mit der Standortentscheidung zugunsten Schönefelds ist bereits damals von Politikern gegen jede Vernunft eine große Chance für die Region verspielt worden. Schon vor der Eröffnung steht nämlich fest, dass eins der wichtigsten Ziele nicht erreicht worden ist, denn es wird keinen uneingeschränkten Nachtflug am BBI in Schönefeld geben. Und wenn die Flugrouten noch so "optimal" gelegt werden: Die noch ausstehenden Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichtes zu den jüngsten Klagen werden die Akzeptanz sicher auch nicht gerade erhöhen. Nach einer möglichen Eröffnung des BBI wird die Akzeptanz des Projektes wohl ebenfalls nicht ansteigen, im Gegenteil. Erst dann wird zu hören sein, was kein Berliner an keinem der vorhandenen Flughäfen der Region jemals hören konnte. Es wird ein in Beton gegossenes Denkmal der Unfähigkeit von Politikern sein, die sich aus Angst um die zukünftige Akzeptanz des Projektes durch die Bürger einen Großflughafen praktisch direkt vor die Haustür setzten!
Mit freundlichen Grüßen
Gunnar Suhrbier

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