Drucken

Es ist überwältigend und macht froh und solidarisch: Monatelang Montagsdemos in Friedrichshagen mit tausenden Teilnehmern und anderswo gegen Fluglärm, Drehkreuz in Schönefeld und Nachtflügen von 22 bis o6 Uhr früh. Sich an den Händen haltende 24.000 Protestierende am Müggelsee. Jüngst 8000 Demonstranten in Schönefeld. Dazu kommen bereits 33.000 Unterschriften gegen Nachtflüge. Und es geht weiter: Am 20. September in Leipzig eine zu erwartende Menschenkette rings um das Bundesverwaltungsgericht, das über die Klagen gegen die durch die Planfeststellungsbehörde genehmigten 103 Nachtflüge verhandeln wird. Es sei die letzte und einzige erfolgversprechende Verhandlung zum Nachtflugverbot, so eine Mail von der Friedrichshagener Bürgerinitiative.

Aber dann das Unglaubliche: Da sattelt die Lobby ihre Schindmähre und ruft die Mitarbeiter des Flughafens zur Gegendemo in Leipzig auf: Für Nachtflüge in den Randzeiten. Dafür also! Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und die Reise nach Leipzig wird als Dienstreise deklariert. Die so animierten Gegenprotestler sollen mit Steuergeldern dorthin gekarrt werden!!

Es ist das altbekannte Lied dieser Ritter des Zynismus und der Lügen: Teile und herrsche. Definiere die Leute auseinader, bringe sie gegeneinander auf und du wirst deine Hände in Unschuld waschen.

Doch so dumm ist keiner mehr. Es wird keine Arbeitsplatzverluste der Mitarbeiter geben. Das zum einen. Zum anderen: Die betrügerischen Verursacher des Konfliktes zwischen sogenannten Wirtschaftsinteressen und betroffenen Einwohnern benutzen die Ängste der einen gegen die Proteste der anderen. Sie wollen die einen gegen die anderen ausspielen. Zerkleinere die Masse, dann kanst du sie besser knechten. Das ist mehr als zynisch und heuchlerisch. Doch die Menschenkettler werden den Oberen was husten. Sie schmettern den gegengaloppierenden Schindmähren ein tausendfaches Nein entgegen. Wie bisher. Bis die Lobby, bestehend aus „Politik&Wirtschaft“, zur Umkehr gezwungen wird. Wem das alles schwerfällt zu verstehen, dem sei gesagt: Es handelt sich nicht um einen betrieblichen Streik um höhere Löhne. Es geht um einen Grundkonflikt. Und der ist nicht leicht aus der Welt zu schaffen.

Und das nebenbei: Bravo Märkische Oderzeitung (Sonntag, den 11.September)!! Ihr habt – ganz im Gegensatz zu Euren sonntäglichen Zeitgenossen - ganz aktuell schon in der Sonntagausgabe von der Demo in Schönefeld gegen Fluglärm und Nachtflügen berichtet. Danke!

Harry Popow, Schöneiche bei Berlin