Drucken

„Wenn man einen falschen Weg einschlägt, verirrt man sich um so mehr, je
schneller man geht.“ - Denis Diderot

Fassungslos stehe ich vor meinen Mitmenschen. Das Thema: Flughafen. Wir
tauschen ein paar Fakten aus – manchmal sind sie bereits bekannt,
manches mal nicht. Die Reaktion: viele der Betroffenen sind erbost,
sehen aber keinen Ausweg und versinken in wutentbrannter
Hoffnungslosigkeit. Andere wiederum in seltsamer sich selbst belügender
Verdrängung. Die nicht Betroffenen meinen,  'einen muss es ja treffen' und
schauen mich mitfühlend an. Dass sie durch ihre Ignoranz zu einem hier in
Berlin und Brandenburg stattfindenden handfesten Skandal ihren Beitrag
leisten, erkennen sie nicht. Das war es. Ende der Fahnenstange.

„Du halt sie dumm, ich sie arm“. Dummheit - wie mir scheint - allein
genügt schon.

Ich muss an dieser Stelle richtigstellen, es gibt zahlreiche sehr
aktive Mitmenschen, die es geschafft haben durch ihren jahrelangen
Beitrag meine Betrachtung der Dinge zu verändern. Ich bin ihnen sehr
dankbar. Sie haben mich aus meiner Naivität gerettet. Allen voran möchte
ich an dieser Stelle Hr. Breidbach für die Rede auf der Demonstration in
Bankenfelde zum Beginn der Diskussion um Flugrouten bedanken.

Immer wieder bin ich erstaunt darüber, wie viele Mitmenschen durch ein
zweifelhaftes Gerichtsurteil ihr Selbstvertrauen verloren haben. Wer nur
hat es gestohlen? Auf der eben erwähnten Demonstration am 29.11.2010
waren vielleicht 1.000 Bürger. In einer durch den zu erwartenden
Fluglärm bis zur Unbewohnbarkeit betroffenen Gemeinde leben nur 1.000
Bürger? Nein, es sind ca. 25.000 Menschen! Wo waren die alle? Meinten
sie  etwa 'ich kann doch eh nichts ändern'.

Wer nur hat den Menschen dieser Gesellschaft eingeredet, nur weil man
gegen ein Vorhaben ist, ist man ein schlechter Mensch? Wer hat das
Selbstvertrauen zur eigenen Meinung gestohlen? Ich kann mir nicht
vorstellen, dass 24.000 Menschen sich auf den Flughafen und deren sehr
drastischen negativen Folgen erfreuen werden!

Wer dieses Bauvorhaben kritisiert zeigt, dass er sich mit den Fakten
auseinandergesetzt hat. Dass er sich hat nicht 'verdummen' lassen. Denn,
wer diese Fakten und die Hintergründe gelesen und verstanden hat, kann
nur zu dem Schluss kommen, dass dieses Infrastrukturprojekt mehr
zerstört als  es je zu leisten vermag. Zeigt, was Euch nicht gefällt!
Es ist an der Zeit, empört zu sein!

Es wird immer wieder die Meinung vertreten, dass man eh nichts ändern
kann. Weit gefehlt! Sehr viele Veränderungen auf dieser Welt waren
aussichtslos. Schönefeld eine andere Rolle zuzugestehen ist sehr weit
davon entfernt, aussichtslos zu sein! Aussichtslos ist die Lage nur, wenn
durch eine falsche Zurückhaltung das Voranschreiten dieses Projektes gefördert wird und
sich zu dem entfaltet, vor dem viele Mitmenschen seit Jahren warnen.

Warum haben sich in der Vergangenheit die Dinge ändern lassen? Weil der
gesunde Menschenverstand sich durch die Propaganda nicht hat beirren
lassen! Das hat nicht immer funktioniert. Ich möchte hier an den zweiten
Weltkrieg und deren Ursprung in unserem Lande aufmerksam machen.
Sicherlich waren viele Komponenten vonnöten, doch eines war ohne
Zweifel entscheidend. Propaganda.

Nichts weiter wird durch den Staat derzeit durchgeführt. Propaganda. Es
werden und wurden Lügen verbreitet, die der gesunde Menschenverstand
schon allein beim Zuhören bezweifelt. Es werden menschenverachtende
Forderungen als 'unabdingbar' präsentiert – der gemeine Bürger sollte
sich die Frage stellen, ob solche Forderungen sich überhaupt mit dem
Grundgesetz vereinbaren lassen und sich weiterhin die Frage stellen –
wie konnte es dazu kommen, dass es in unserem Land schon wieder so weit
gekommen ist.

Dass dieser Standort vor allem durch Manipulation zustande gekommen ist,
auf Grundlage von gezielter Fehlinformation der Bürger, das ist
inzwischen nachgewiesen. Ergo kann ich nicht als 'Gegner' bezeichnet
werden, sondern als 'Befürworter'. Ja, ich schäme mich nicht dafür, dass
ich mich informiert habe. Und da ich weiß, dass 10.000 Menschen aufgrund
einer 'politisch motivierten und sachfremden Entscheidung' sehr krank
werden, erfüllt es mich mit Stolz, dass ich gegen diese Art der Politik
vorgehe.

Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich den Dingen ins Auge blicke und mich
nicht hinter Flugrouten verstecke. Wie auch immer sich die Dinge fügen
werden, ich habe mich für meine Mitmenschen eingesetzt und nur allein
schon deshalb, werde ich mich niemals für mein Tun und Handel schämen
müssen! Ich werde mit erhobenem Haupt durch den Süden von Berlin fahren
können, ja auch nach Berlin, ohne mir den Vorwurf gefallen lassen zu
müssen, ich hätte etwas gefordert, was ihnen Schaden zufügen wird oder
mit falscher Zurückhaltung das gefördert, was ich selbst als größten
Fehler der lokalen Politik bezeichne.

Gern werfe ich ein Blick auf die 'Atomgegner'. Im Kern waren sie schon
immer 'Befürworter'. Befürworter für gemeinsames Zusammenleben. Sie
haben sehr viele Jahre für Ihre – für unsere gemeinsamen! - Ziele
gekämpft. Sie haben einen wichtigen Meilenstein errungen. Doch das Volk
musste erst aufwachen. Wäre es nicht langsam an der Zeit aus dem Volk
heraus den von der Politik so oft als 'Gegner' diffamierten Mitmenschen
als 'Befürworter' zu sehen und endlich zu erkennen – diese Menschen
kämpfen mehr für den Erhalt unserer Gesellschaft, als es die von uns
gewählten Politiker tun. Wie traurig! Aber in dem Projekt mehr als nur
wahr.

Für alle die es bisher nicht getan haben, empfehle ich das
BBI-Nachnutzungskonzept (BER) des BVBBs. Es enthält einen sehr guten
Überblick über alle Fakten und einen sehr ausgefeilten Vorschlag zur
Nutzung der investierten Steuergelder.

Ein sehr alter Mann hat es vor ein paar Monaten vortrefflich auf den
Punkt gebracht:
„Das Schlimmste ist die Gleichgültigkeit“ *1. Engagiert Euch! Uns fällt
die Aufgabe zu, die erkannten und sehr transparenten Folgen des falschen
Flughafenstandortes von uns und unserem Mitmenschen abzuwenden. Es ist
eine Herausforderung, eine Art Selbstverpflichtung und zu guter Letzt,
eine Art Beweis dafür, dass wir unsere Gesellschaft und unsere Heimat
schätzen. Wir sind keine Schafe. Auch wenn die Politik es gern so hätte.
Es war und es ist immer noch an der Zeit das zu zeigen. Vertraut dem
Bauchgefühl. Es schreit „Ungerechtigkeit“. Wie recht es doch hat.


P.S.: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dem BVBB beitreten soll
oder nicht. Ich hatte und habe mit der einen oder anderen Formulierung
meine Probleme. Diese Äußerung sind sachlich zwar richtig, aber wie ich
finde das eine oder andere Mal ein wenig zu weit über das Ziel
hinausgeschossen. Den entscheidenden Auslöser für den Beitritt wurde mir
durch Hr. Stange gegeben. Er sagte, wir sind das, was wir als Mitglieder
daraus machen. Wer, wie ich, von der Fachkompetenz des BVBBs überzeugt
ist, jedoch mit der einen oder anderen Äußerung unzufrieden ist, dem
lege ich nahe beizutreten und gemeinsam zu präsentieren, wie man es
womöglich anders machen könnte. Ich könnte Unterstützung gebrauchen ;o)


*1 EMPÖRT EUCH! Von Stéphane Hessel, ISBN 978-3-550-08883-4