Nachfolgend ein erneuter Beweis dafür, dass die Menschen bisher auch von Politikern systematisch über die Gesundheitsgefahren des Fluglärms getäuscht wurden. Der hier angegriffene Prof. Scheuch war mit seinen Lehrer Prof. Jansen der Gutachter von Platzeck. Für die Planfeststellungsbehörde gab es aber nur eine Argumentationslinie: Fluglärm macht nicht krank, darum ist der Standort Schönefeld gut für die Menschen, die den Fluglärm aushalten dürfen.

Es ist schon unglaublich was sich Platzeck und seine politischen Konsorten im Umgang mit der Gesundheit von Menschen erlauben. Charakterlich müssen sie sich auf dem Niveau der Kapitalisten befinden, die einst Kinder in die Bergwerke schickten und dies als Notwendigkeit zur Verhinderung des Untergangs der Wirtschaft bezeichneten.

Jetzt dürfen nach Platzeck Menschen krank werden, weil ein Flughafen am falschen Standort zulasten der Gesundheit und der Nachtruhe für Generationen profitabel arbeiten soll.Wir sind sicher, Platzeck ist so abgebrüht, dass er auch in Kenntnis der Folgen seines Handelns nur über die Menschen lacht, die er in die Fluglärmkrankheit jagt.


Ärzte Zeitung vom 03.02.12

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/article/803570/fluglaerm-fuehrt-krach-gutachtern.html

Fluglärm führt zu Krach unter Gutachtern

Seit Wochen demonstrieren Bürger am Frankfurter Flughafen gegen Lärm. Dass er Menschen krank machen kann, ist unter Medizinern nahezu unumstritten. Ein Gutachter sah das allerdings anders. Jetzt wird er dafür heftig angegriffen.

Von Thomas Meißner

Die Diskussionen um gesundheitliche Auswirkungen des Fluglärms haben eine neue Dimension erreicht. Bereits seit geraumer Zeit schwelt ein Streit zwischen verschiedenen Gutachtern, der jetzt in öffentlichen Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens mündet. So berichtete die "Frankfurter Rundschau" kürzlich, dass die Fluglärm-Gutachten des Dresdner Arbeitsmediziners Professor Klaus Scheuch für den Großflughafen Rhein-Main "in wesentlichen Punkten frei erfunden" seien. Zitiert wird unter anderen der Arzt Dr. Rainer Rahn aus Frankfurt am Main, der Scheuchs Gutachten kritisch geprüft habe. Die Flughafen-Synopse aus dem Jahre 2001 beruhe auf dem freien Erfinden passender Werte, Falschzitieren von Lärmwerten und Verfälschungen der Inhalte zitierter Literatur, heißt es. ? Vorwurf Gefälligkeitsgutachten Professor Martin Kaltenbach, emeritierter Kardiologe aus der Nähe Frankfurts, der sich ebenfalls seit Jahren wissenschaftlich mit den gesundheitlichen Folgen des Fluglärms auseinander setzt, bestätigt gegenüber der "Ärzte Zeitung" die Vorwürfe und spricht von Gefälligkeitsgutachten, die Scheuch und seine Mitarbeiter erstellt hätten. Er wirft Scheuch vor, wesentliche Publikationen ignoriert zu haben, offenbar weil sie nicht ins Bild des Auftraggebers, also der Fraport, passten. "Unabhängige Gutachter wären in solchen Fragen wünschenswert", so Kaltenbach. Finanzieren könnte dies zum Beispiel das Umweltbundesamt als unabhängige Behörde, meint er. Nach Kaltenbachs Angaben bestreite heute kein seriöser Wissenschaftler mehr, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Fluglärm und kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck sowie den Folgeerkrankungen Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz gebe. Dafür sprächen eine ganze Reihe von Studien, deren Ergebnisse der Kardiologe unter anderem in einem Übersichtsartikel (Dtsch Arztebl 2008; 105(31-32): 548) dargestellt hat. Insgesamt sechs Revisionen des Artikels seien von den Gutachtern gefordert worden - Kaltenbach vermutet, dass er verhindert werden sollte.

Ähnliche Diskussion in Berlin In einer eigenen Studie hatte er eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Fluglärm und Hypertonie bestätigen können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihre Empfehlungen für Richtwerte mit Bezug auf den nächtlichen Lärmschutz auf 40 dB angepasst, um vor allen Dingen Kinder, chronisch Kranke und alte Menschen zu schützen, als Zwischenziel sollten 55 dB angestrebt werden (www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0008/136466/e94888.pdf). Auch beim Umweltbundesamt (UBA) geht man inzwischen von einem Zusammenhang zwischen nächtlichem Fluglärm und Herzkreislaufkrankheiten aus. Die sich jetzt in Berlin verschärfende Diskussion um Lärmschutz und Flugverbotszeiten im Zusammenhang mit dem neuen Flughafen im Berliner Süden wird befeuert durch ein weiteres Gutachten, das das Amt vergangenen Monat im Internet veröffentlicht hat (www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4209.html). Dort heißt es: "Ergebnisse der Lärmwirkungsforschung belegen, dass insbesondere nächtlicher Lärm belastend für die Betroffenen ist und zu Gesundheitsschäden führen kann. Das Umweltbundesamt empfiehlt grundsätzlich für stadtnahe Flughäfen ein Ruhen des regulären Flugbetriebes von 22.00 Uhr bis 6 Uhr." ? Endlich aufwachen Kaltenbach kann über die heutigen Diskussionen in Berlin nur den Kopf schütteln. Er selbst war im brandenburgischen Landtag angehört worden. "Das war alles abzusehen. Aber es wollte ja keiner hören. Jetzt wacht man auf einmal auf." Seiner Ansicht nach ist die einzig vernünftige Lösung, Flughäfen weit außerhalb von Großstädten anzulegen wie in Paris oder auch in München. "Dass man einen Stadtflughafen, der nun mal zufällig entstanden ist, zu einem Großflughafen ausbaut, das ist einfach eine Dummheit", sagt er mit Blick auf Frankfurt am Main. Schon längst habe es die Möglichkeit gegeben, Ferienflieger und Frachtflugzeuge in weniger besiedeltes Land zu verlegen. "Da hat einfach der politische Wille gefehlt", kritisiert der 83-Jährige. Der nächste Konfliktherd hat sich schon etabliert: In München ist ebenfalls der Ausbau des Flughafens geplant.